Metzinger Kolpingtheater begeistert

Die Kolpingsfamilie hat mit ihrer Komödie überzeugt.

(Wieland Lehmann)

Viele Hotels zieren Sterne. Sie werden verliehen. Und wie eine Fernsehreportage zeigte, sind durchaus nicht alle rechtens. Doch ein solches Hotel, wie es die Theatergruppe der Kolpingsfamilie im Bonifatius-Saal vorführte, gibt es wohl überhaupt nicht. Da ist der Lift außer Betrieb, die Fenster der meisten Zimmer haben keine Scheiben, die Ausstattung ist mehr als dürftig, da muss auch eine Badewanne als nächtliche Lagerstatt dienen, ja, es sieht wohl wie eine richtige Bruchbude aus. Es liegt an der Umgehungsstraße. Dafür ist es billig. Alles sind also Gründe, bei einem Besuch Vorsicht walten zu lassen. Doch eine Familie lässt sich davon nicht abschrecken. Und dann hat sich noch ein Promi angekündigt, der bayerische Schachmeister. Das wäre sogar für die örtliche Presse von Bedeutung, könnte dem Hotel Auftrieb geben. Dessen Bestätigung ist aber noch gar nicht eingegangen.

Falsche Promis im Hotel

So übernimmt ein Angestellter dessen Rolle, wäre da nicht noch der Familienvater, der so gut Schach spielen kann. Doch nicht er, sondern sein Bruder (er habe sich einmal sogar als einer der Beatles ausgegeben) gibt sich als Schachmeister aus. Er bekommt dann auch das beste Zimmer. Zwei falsche Promis und dann noch der richtige Meister – das Chaos ist vorprogrammiert. Komödie lebt von Verwechslungen, Gags, Überraschungen, zielt auf die Lachmuskeln des Publikums. Und was die rund 25 Darstellerinnen und Darsteller vieler Altersgruppen auf die Bühne brachten, stand professionell-komödiantischem Spiel nicht nach, ja hatte durch die Besetzung der Rollen darüber hinaus noch einen besonderen humoristischen Effekt.

Damen in Männerrollen, Kinder als Erwachsene (und auch hier Geschlechtertausch) – das hatte schon seinen besonderen Reiz. Und dann gab es noch die vielfältigen komischen Beigaben. Ein Professor, der Insekten bei fehlenden Fensterscheiben im Paarungsverhalten  bei künstlichem Licht untersucht, ein Gast, der sich mit seiner Geliebten ein schnuckliges Wochenende erhofft, sich dann aber als Frau für einen Modelwettbewerb entscheidet, drei Girls, die sich als Superstars profilieren wollen, zwei Damen die eine markante männliche Unterhose aus ihrem verwechselten Koffer präsentieren, ein Zimmermädchen, das sich mit dem Schachmeister messen will.

Musik gehörte natürlich zum Stück, doch wie die Girls das Playback mit ihrer Genauigkeit der Mundbewegungen meisterten, war schon voller Professionalität. Und das gemeinsame „Halleluja“ zum Wohle des Hotels ließ fast alle einstimmen. Selbstverständlich lösten sich alle Verwicklungen letztlich auf, aus dem „Hotel an der Umgehungsstraße“ wurde das „Hotel Prominent“, natürlich von der Lokalpresse begleitet. Prominent bedeutet berühmt, geachtet, herausragend, populär. Da trifft so manches auf die Darsteller zu, schließlich war es durchaus eine herausragende Inszenierung und darstellerische Leistung, die aller Achtung wert ist. Und populär war auch der satirische Akzent auf so manche Promis, die sich im Bad der Menge so richtig wohlfühlen. Beeindruckend war die Spielfreude, die alle Mitwirkenden auszeichnete. Da wurden Begabungen deutlich, die ein beachtliches schauspielerisches Potenzial verheißen. Und es war eine Gemeinschaftsleistung komödiantischen Agierens, was den Beifall des Publikums wahrlich verdient hatte. Es war das zehnte Stück, das die Theatergruppe unter der Regie von Maximilian Knoll inszenierte. Diesmal hatte er eine starke Stütze in Oliver Schnepf, der selbst als vermeintlicher Schachmeister auftrat. Er ist ja auch Vorsitzender der Kolpingsfamilie. Welche Arbeit hinter einer solchen Inszenierung steckt, von den Darstellern über die Proben, die Kulissen bis hin zur Technik, ist nur zu erahnen. Die Bewirtung durch die Mitglieder der Kolpingsfamilie in der „Hotellobby“ stärkte das Publikum körperlich.

Südwestpresse 18. Januar 2017

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