Maultaschenessen in Metzingen

Metzingen

Eine Aktion, die ihresgleichen sucht

Seit 45 Jahren veranstaltet die Kolpingsfamilie das Maultaschenessen für Lepra- und Tuberkulosekranke in Brasilien. Die Aktion ist jedes Jahr  ein Erfolg.

WIELAND LEHMANN | 27.09.2016 Südwestpresse

Maultaschenessen für den guten Zweck: Die Kolpingsfamilie hatte am Sonntag alle Hände voll zu tun.

Bereits eine Stunde vor Öffnung des Bonifatius-Saals standen die ersten Gäste des Maultaschenessens der Kolpingsfamilie vor der Tür. Auf den Tischen im Saal standen 270 Gedecke, an der Fensterfront lagerten die verpackten Maultaschen für den Straßenverkauf (je zehn in einem Beutel), die erste Reihe mit den Salattellern stand bereit. In der Küche dampften die Maultaschen in den großen Töpfen. 6907 Maultaschen hatten die Helfer bereits am Samstag zwischen neun und 15 Uhr in zwei Schichten zubereitet, dazu Kartoffelsalat, gemischten Salat. Schon am Freitag hatten die Helfer den Saal für die vielen Gäste hergerichet, Gemüse geputzt, Kartoffeln geschält.

Seit 45 Jahren veranstaltet die Kolpingsfamilie das Maultaschenessen, seit 1977 zweimal jährlich. Mit einer anonymen Spende und der Bitte, das Geld zu mehren und zur Hilfe für aussätzige Menschen zu verwenden, fing es an. Da kam man auf das Maultaschenessen. So geht das Geld seitdem über die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) nach Brasilien. Nach dort hat man auch  persönliche Kontakte und weiß, dass das Geld auch wirklich ankommt.

Am Sonntag kam auch die Präsidentin der DAHW, Gudrun Freifrau von Wiedersperg, nach Metzingen. Und sie war des Lobes voll, ein solches oder vergleichbares Ereignis wie das Maultaschenessen in Metzingen gebe es sonst nirgends. Brasilien sei noch immer die richtige Adresse für die Hilfe, denn immer noch kommen dort jährlich 30 000 neue Leprakranke hinzu.

Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie, Oliver Schnepf, begrüßte in ihrem Beisein die vielen Mitglieder und Helfer, erkennbar an ihren orangefarbenen Schürzen. Er gab noch die letzten Hinweise für das Team, endete mit „gutes Schaffen, viel Kraft und Energie“, öffnete dann den Eingang. Da strömten die vielen Gäste herein. „Ein Wahnsinn“, ließ eine der Helferinnen hören. Sofort nahmen die Aktivitäten in der Küche zu. Die Helfer kamen mit ihren Töpfen, ließen sich die Maultascheneinfüllen, eilten damit an die Tische. Die großen Servierwagen mit dem Salat wurden durch die Tischreihen geschoben. Mit dem Ende des Gottesdienstes kam ein zweiter Schub von Gästen, schließlich waren alle Plätze besetzt.

Doch auch beim Straßenverkauf endete die lange Schlange nicht. Pro Person konnte jeder 20 Maultaschen, also zwei Beutel erwerben. Doch wer schaut schon so genau hin, ob sich nicht jemand nochmals angestellt hat. Schließlich sind die Maultaschen eine schwäbische Spezialität. Im Eingangsbereich war ein langes Torten- und Kuchenbüfett aufgebaut. Es waren Spenden von Einzelpersonen, aber auch einige Bäcker hatten sich daran beteiligt.

Der Kuchen war nur für den Straßenverkauf gedacht, so konnte man sich zu Hause auch noch an Leckerem erfreuen, am besten natürlich mit fair gehandeltem Kaffee. Bestechend waren auch an diesem Sonntag die tolle Organisation, die Rührigkeit der Helfer, beeindruckend die vielen jungen Menschen, die mitwirkten. Einen solchen Nachwuchs wünschte sich wohl so mancher Verein. Auf das Ehrenamt bezogen sagte die Präsidentin, für einzelne Aktionen seien immer wieder Menschen bereit, doch an Verpflichtungen über eine so lange Zeit mangle es zuweilen. Da ist die Kolpingsfamilie in der Sieben-Keltern-Stadt eben doch etwas ganz Besonderes.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *